Tantramassage

Eine Tantramassage ist eine göttliche wertschätzende Berührung des gesamten Körpers. Alles darf erscheinen, wie es ist, und wenn es wahrgenommen und gewertschätzt wird, zieht es friedlich weiter...

Das Setting

Eine Tantramassage wird auf dem Boden auf einer Futonmatte durchgeführt. Sowohl Masseur als auch EmpfängerIn sind unbekleidet.
Der Raum ist warm, es gibt eine Wärmedecke unter dem Laken, meist wird er von einem leichten Räuchergeruch erfüllt, es brennen Kerzen. Diese Dinge sollen helfen, sich entspannen zu können.
Es wird ein warmes natürliches Mandelöl verwendet, für die Sexualorgane kann zusätzlich ein Gleitmittel verwendet werden. Zum Abschluss können warme Waschlappen für eine Kräftigung und Reinigung verwendet werden.
Während der Behandlung läuft leise entspannende Musik.

Die innere Haltung

TantramasseurIn sollte eine sehr achtsame und wertschätzende Haltung haben, sollte EmpfängerIn in allen ihren Aspekten akzeptieren und zulassen. Es gibt keine Ziele in der Massage, sondern die Köstlichkeit ist es, jede Sekunde und jede Berührung im Moment zu fühlen und seine innere Lebendigkeit zuzulassen.
Sehr klar ist, dass MasseurIn aktiv und EmpfängerIn passiv sind. Von EmpfängerIn sollte aller Streß, alle Pflicht und auch alle Rollenerwartungen gegenüber der anderen Person fallengelassen werden. Es gibt nichts zu tun, es gibt nur zu sein.
Auch die Einbeziehung der sexuellen Energie, der sexuellen Erregung in die Massage bedeutet keinen sexuellen Austausch, sondern bedeutet, diesen Aspekt der Körperlichkeit genauso wertzuschätzen wie alles andere. Es berührt nur MasseurIn EmpfängerIn, nicht umgekehrt, denn das würde die Qualität des Passivseins nicht ermöglichen.
Alles was auftaucht, ist willkommen: Weinen, Angst, Lust, Müdigkeit, Erregung, Abwehr... Eine Tantramassage muß nicht immer nur schön und leicht sein, denn manchmal werden durch die liebevollen Berührungen verdeckte Verspannungen erstmals wahrgenommen, und oder besonders im Bereich der Sexualorgane werden ältere Verletzungen gespeichert, die durch Massage aufgedeckt werden können und so zuerst einmal schmerzen, bevor sie sich auflösen können.

Die tantrische Philosophie

Für mich gibt es zwei Hauptaspekte der tantrischen Weltsicht: alles zu akzeptieren, was aufscheint an Wahrnehmungen und Gefühlen und offene Sinne zu entwickeln, die begierig sind nach Entwicklung und Erweiterung.
Das bedeutet für mich, mein Leben so zu verstehen, dass alles, was mir widerfährt, mir als Entwicklungspotential erscheint und z.B. nicht vor Ängsten die Augen zu verschließen, sondern da hindurch zu gehen und Erkenntnis zu gewinnen.
Leider haben wir aber nur die indischen Begriffe; mir würde gefallen, wenn es für diese Lebenshaltung auch ein deutsches Wort geben würde. Aber genauso wie die deutsche Sprache an den entscheidenen Punkten aussetzt (es gibt z.B. kein schönes Wort für Penis oder Vagina oder für das Liebe machen, oder es gibt keine Unterscheidung zwischen Freundin und der Freundin...), so gibt es auch nur das Wort "Tantra", um zu beschreiben, welche Haltung ich meine.

Der Ablauf der Massage

In einem intensiven Vorgespräch wird die Massage erläutert und spezielle Wünsche und Vorstellungen abgeklärt sowie Grenzen besprochen. Alles darf besprochen werden und alle Wünsche und Bedürfnisse dürfen auf den Tisch.
Danach kleidet sich EmpfängerIn in einen Sarong um, ein dünnes Seidentuch. Der Masseur kleidet sich ebenfalls außerhalb des Raumes in einen Sarong um.
Die Massage beginnt mit einem Begrüßungsritual, in welchem sich beide gegenübersitzen und die Hände halten und einige Zeit so verbringen, um sich einzustimmen, zur Ruhe zu kommen und langsam eine Verbindung aufzubauen.
Das Begrüßungsritual ist wichtig, um bewußt aus seinen Alltagsrollen aussteigen zu können und sich auf seine rollenlose Präsenz während der Massage vorbereiten zu können.
Dann wird EmpfängerIn aufgefordert, sich auf den Bauch zu legen, wird mit dem Sarong zugedeckt und findet eine entspannte Position. Die Musik wird eingeschaltet und die Massage beginnt. Alle Körperteile werden gleichwertig behandelt und von luftleichten Berührungen bis zu festeren Griffen berührt. Sollte etwas unangenehm sein, so ist es erwünscht, dies gleich zu äußern, denn die Massage soll wirklich zu absolutem Wohlbefinden führen.
Zur Eingewöhnung wird bei der Rückseite begonnen und danach erst die Vorderseite behandelt. Am Ende der Massage kann eine Massage von Penis oder Vulva integriert werden. Hier geht es ebenso wie beim gesamten Körper um eine absichtslose Berührung ohne Ziel und ohne Anspannung.
Nach Beendigung der Massage kann EmpfängerIn noch einige Minuten ruhen und nachspüren, was im Körper passiert. Dann folgt das Abschiedritual; man sitzt wieder gegenüber, hält beide Hände und kann noch einmal die Begegnung nachspüren.
Danach kann man sich ankleiden, sollte den weiteren Tag sehr ruhig und langsam angehen und viel Flüssigkeit trinken. Es werden sich noch in den folgenden Tagen Sensationen einstellen.

Abgrenzung zu Prostitution

Der große Aufschrei und die billige Verleumdung der Tantramassage liegt auf dem Gebiet der sexuellen Energie, weil die Tantramassage als einzige Massageform die sexuelle Erregung bewußt und absichtlich in den Massageablauf integriert.
Tantra versteht sexuelle Energie als etwas schönes, heiliges, intimes und lebenswertes am Menschen und es hat Rituale entworfen, in denen das Fest der Sexualität wieder in den Mittelpunkt der Gemeinschaft als Ausdruck unserer Lebensfreude und unserer Verbindung und auch Abhängigkeit von Mutter Erde gestellt wird.
Viele Prostitutionsangebote benutzen ebenfalls den Begriff "Tantra", zielen aber in deren Angeboten auf eine schnelle Befriedigung der Orgasmussehnsucht hin. Tantra hingegen hilft, den Orgasmus aus dem Auge zu verlieren, weil es auf dem Weg hin zur Erregung so viele sinnliche Erfahrungen ermöglicht. Tantra lehnt aber den Orgasmus nicht ab, und sehr oft geschieht er in einer tantrischen Massage. Aber er ist nicht das schnelle billige Ziel. Es ist sogar möglich, auf den Orgasmus zu verzichten oder die Zeit bis zum Orgasmus auf einige Stunden auszudehnen und damit einen auf den ganzen Körper ausgedehnten Lustgewinn zu erzielen. Tantra ermöglicht es, Sexualität als Einstiegstor in eine persönliche spirituelle Entwicklung zu erleben. Sexualität und Spiritualität werden nicht mehr getrennt wie in religiösen Anschauungen, sondern bedingen einander. Ein lebendiger Körper spürt, dass er seine Heimat, die Erde, nicht zerstören darf. Und ein lebendiger Körper ist immer ein sexueller Körper.

Zeitdauer und Preise

Ich empfehle eine Tantramassage nicht kürzer als 90 Minuten zu machen. Optimal sind 120 Minuten. Maximal kann eine Tantramassage (dann nennt sich das Tantra-Ritual) ungefähr 4,5 Stunden dauern.
Für mich selbst wünsche ich mir eine Wertschätzung von 1 Euro pro Minute, also 90 Euro für 90 Minuten. Sie können, wenn Sie Mitglied in der Regionalwährung Lindentaler sind, einen Anteil in Lindentalern bezahlen.

 

Tiefenschicht - Karsten Wolf

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